When Life was a miracle
Aus When Life was a Miracle
Von Ivan Redi
Der französische Professor Joseph Jacot, hat am Anfang des 19ten Jahrhunderts die gesamte akademische Welt durcheinander gebracht, als er die These des „ignoranten Gelehrten“ postulierte. Er erklärte, dass ein Ignorant einem anderen Ignoranten etwas lehren könnte, das er selber nicht genau wusste, ausgehend von der Gleichheit der Intelligenz und der intellektuellen Emanzipation entgegen dem sonst geläufigen Zugang zur Bildung.
Ein Abenteuer ist ein eine Antithese zur klassischen Wissensvermittlung. Ein Abenteuer ist der Moment, in dem Erfahrung allein nicht mehr genug ist. Ein Moment zwischen zwei sicheren Punkten, wenn wir nicht wissen, was passieren wird. Wie unterrichtet man etwas völlig Unbekanntes, das sich in unser Unterbewusstsein einschleicht, und für immer ein Teil unseres Lebens wird ? Manchmal fordern mutige Leute die Natur der Dinge heraus. Nachher schreiben andere ihre Biographien, wie sie großartig ihr Ziel geschafft haben oder grandios gescheitert sind. Aber, manchmal passieren die Abenteuer im Alltag, „just around the corner“. Und alle haben eines gemeinsam: sie ermöglichen uns eine neue Sichtweise der Dinge und Phänomene.
Ein Abenteuer ist eine erfahrungsorientierte „work-in-progress“ Universität, in der junge Forscher gefordert sind zu produzieren und zusammenzuarbeiten in „kreuz und querer Suche“, die das zeitgenössische Verständnis der Architektur besonders in Verbindung mit der eigentlichen Performativität der Disziplin erweitert.
Die Interaktion mit dem performativen Raum ist dabei für uns interessant, denn sie öffnet die Pfade für die Erfahrung, die wir nicht voraussehen können. Diese Interaktion existiert überall, in der kulturellen Performance, im Prozess der Identitätsbildung, im politischen Aktivismus, in Arbeitsräumen, öffentlichen Räumen und bei uns Zuhause. Eine „enabling-platform“ der trans-disziplinären Arbeit ermöglicht dies. Diese bringt die Expertise der Architektur und der verwandten Technologie zusammen, Management und Marketing, so wie die high-end Simulationen und die Game Industry.
Hinter jedem Nein fließt eine Leidenschaft für das Ja. Aber nur wenn wir wissen, was dieses Ja leistet, kann es sich von einem Vielleicht in das wirkliche JA entfalten. Sagen wir einfach Nein zu den Ereignissen, weil uns unsere Lehrer, Schulen, Baugesetzte, Ö-Normen, Bauphysiker und Statiker, und schließlich die ganze Gesellschaft und ihre Moral dazu ermutigt, oder denken wir, wenn wir von der menschlichen Ethik ausgehen, wird nichts schief gehen.
Was ist ein Event? Für Deleuze ist es kein Event wenn ein Mann über die Schwelle stolpert, aber die großen Pyramiden in Ägypten sind ein Event. Und zwar für die beliebige Dauer: von einer Stunde, 30 Minuten, 5 Minuten. Für ihn sind Events aus dem Chaos entstanden, besser gesagt der chaotischen Vielfachheit, aber nur unter der Bedingung dass eine Art Filter davor gesetzt wird. Wie funktioniert dieses Sieb? Aus welcher Position sind Betrachtungen kritisch und aus welcher kritisierend? Wie sehen wir die Dinge? Aus welcher Perspektive…
…und in welchem Kontext? Es sind die Analysen die notweniger weise zu einer Auswertung führen, was noch für uns wichtig sei, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Denn Es ist heute nicht genug eine gute Architektur zu machen! Es ist nicht genug, dass wir wissen, dass wir es tun und warum wir es tun, sondern wir müssen wissen, was das Machen macht.
1967 hat Guy Debord das Buch „The Society of Spectacle“ [1] veröffentlicht, in welchem er das Konzept für einen „Blick“ der modernen Kultur und deren Fetischismus der Gemütlichkeit entwickelt. Es ist eine starke Kritik am Leninismus und schlägt eine direkte demokratische Alternative vor. Der französische Situationist behauptet, dass alles was einmal in der zeitgenossischer Welt direkt gelebt hat, sich in Repräsentation verwandelt hat, somit wir alle und die Welt nicht authentisch sein können, weil wir zu jeder Zeit etwas repräsentieren, was wir nicht wirklich sind, sondern das was wir glauben unseren Marktwert steigert vortäuschen.
In extremen Situationen wie Hochzeiten oder Begräbnissen, unter dem Einfluss von übermäßigen Alkoholkonsum kann man eine Art Schizophrenie erfahren und eine plötzliche Öffnung. Das wollen wir genauer untersuchen. Wir müssen folgendes hinterfragen: Was passiert, wenn wir laut Deleuze den kapitalistische Prozess des Decodierens und der Deterritorialisierung der traditionalen Codes und Territorien der Macht beschleunigen, und zwar durch die Entfaltung unvorhersehbarer sozialer Dynamik ?
Was bedeutet „the Architecture of happiness“ ? Welche Räume sind es, die uns in die unbeschreibliche Ekstase versetzten, oder eine fast erotische Sinnlichkeit auslösen?
Ein Beispiel für die gelungene soziale Interaktion aus welcher ein spannender Raum erstanden ist, wäre die „Grazer Küche“! Ein Projekt von Prof. Tschom und Studenten am Wohnbauinstitut, das im Rahmen von Graz 2003 im Augartenpark realisiert wurde.Verschiedene in Graz lebenden Ethnien wurden eingeladen eine Kochstelle zu errichten und die Besucher wurden aufgefordert zu partizipieren und mitzukochen. Sofort entstand eine Interaktion, aus der sich eine Art Nähe entwickelte. Die Performance dieses Raumes produzierte, durch die aktive Beteiligung, aus dem Mikrokosmos Einzelner ein ganzes Universum.
Weiters werden so genannte „vibrant agonistic publich spheres“, Web 2.0 und „Open source architecture“ ein Thema sein. Wie könnten , mit wenig Investition, öffentliche Räume entwickelt werden wo Jedermann/Jedefrau einen Zugang zu weltweitem Wissen und institutionellen Powerspielen erhält.Wenn der neue Rohstoff Information heißt, wie funktionieren dann die „augmented realities“, also Umgebungen wo Virtuelles und Reales verschmelzen?
Online Platform Second Life [2] & Web 2.0 [3] sind die Tools. Die eigentliche Revolution bezogen auf Web 2.0 ist nicht eine technologische, sondern die soziale Vernetzung und die ungeahnte Kreativität, die dabei entsteht.Wie funktioniert der perfomative Raum? Was passiert, wenn ein Körper die kontrollierte Ordnung der Architektur durchschreitet und sie benutzt ? Wie funktionieren „on-demand“ Räume und welche Rolle spielen Interaktion mit dem Raum und „personal customisation“? Wie kann man eine räumliche Dramaturgie entwickeln? Wie erweitern wir die architektonische Sprache der funktionalen Standards ? Denn die Limits der Architektursprache, ihr Code [4], sind gleichzeitig auch die Limits dieser Disziplin.
Dieser Beitrag ist "work-in-progress" und wird ständig erweitert, je nach Entwicklung unseren Projektes.

